Nachlese · Zukunft Personal Europe, 15.–17. September 2026
Nachlese Zukunft Personal 2026: dünnhäutig, digital, dünn.
Drei Tage als Aussteller, viele Gespräche, ein voller Kopf. Sie werden hier trotzdem nicht lesen, dass es eine erfolgreiche Messe mit vielen interessanten Kontakten war. Das schreibt jeder, und es sagt nichts.
Was ich mitgenommen habe, ist unbequemer.
Die Menschen sind dünnhäutiger geworden
Verwundbarer. Schneller am Limit. Die Krisen nagen an der Stimmung, und man merkt es den Leuten an, wenn man drei Tage lang mit ihnen spricht.
Man könnte meinen, das sei gut für mein Geschäft. Das Gegenteil stimmt.
Die Reaktion auf den Schmerz ist nämlich überall dieselbe: vermeiden, abwarten, Kopf in den Sand. Als Schutzschild funktioniert das erstaunlich gut. Nur vermeidet man damit eben alles — auch den Anruf bei jemandem, der helfen könnte. Wer den Kopf im Sand hat, wählt keine Nummer.
Bei Angestellten verstehe ich das. Wer wenig Einfluss hat, duckt sich weg, das ist nachvollziehbar. Bei Führungskräften und Chefs nicht.
An den äußeren Bedingungen können Sie kaum etwas drehen. Der Markt ist, wie er ist. An der internen Kommunikation können Sie alles drehen — und genau dort passiert am wenigsten.
Schlecht geführte Kommunikation im eigenen Haus ist keine Geschmacksfrage. Sie ist fahrlässig.
Alter Wein, neue Schläuche, ein Schuss KI
Jetzt der Teil, der mir auf der Messe selbst aufgefallen ist.
Vieles, was auf den Bühnen und an den Ständen als Innovation firmierte, kannte ich schon vor zwanzig Jahren. Andere Namen, neue Farben, ein Sprachmodell dazugeschaltet — fertig ist die Neuerung. Feedbackregeln, Gesprächsleitfäden, Konfliktmatrizen: alles solide, alles bekannt, nichts davon neu. Nur wird es jetzt als Durchbruch verkauft.
Dazu kommt ein Muster, das mich als Pädagogen ratlos zurücklässt: Werkzeuge werden als Lösung angeboten. Eine App, ein Dashboard, ein Bot, der Ihnen die schwierige Nachricht formuliert. Die Annahme dahinter lautet, dass das Problem an fehlenden Hilfsmitteln liegt.
Das tut es nicht.
Werkzeug ist kein Können
Ein Klavier im Wohnzimmer macht niemanden zum Pianisten. Ein Werkzeug wird erst dann zur Lösung, wenn jemand geübt hat, es zu benutzen — und zwar so lange, bis es auch dann noch funktioniert, wenn der Puls oben ist.
Genau dieser Teil fehlt fast überall. Lernen braucht Wiederholung, Anwendung im Ernstfall und jemanden, der Rückmeldung gibt. Das ist mühsam, dauert Monate und lässt sich schlecht als Feature verkaufen. Also wird es weggelassen.
Übrig bleibt ein Werkzeugkoffer für Leute, die nie gelernt haben zu hämmern.
Ein Beispiel aus Köln
Ein Gespräch auf der Messe hat mich ziemlich fassungslos zurückgelassen. Ich erzähle es im Video, weil es kurz ist und weil man es gehört haben sollte. Namen nenne ich keine.
Das Set zur Krisenkommunikation
Weil mich das Thema nicht loslässt, habe ich ein Set zur Krisenkommunikation zusammengestellt. Es basiert auf „Streiten mit System“ und enthält die Schritte, die im Ernstfall tatsächlich tragen: den ersten Satz in vier Takten, die Wegpunkte für das, was danach kommt, und die Fragen, die Sie sich vorher stellen sollten.
Keine Theorie und keine App. Ein paar Seiten, die man üben kann. Wenn Sie es haben wollen, genügt eine Nachricht.
Geht direkt an mich: senior@christoph-michalski.de
Christoph Maria Michalski · Konfliktnavigator